Komm zum Auftakt-Zoom!

Wir stellen euch die Liga vor und ihr könnt alle Fragen loswerden, die euch unter den Nägeln brennen.
Mi 9.7 20.30-22.00h, Di 22.07 10.30-12.00h, Sa 23.08 10.00-11.30h

Ohne Anmeldung, offen für alle!

Eure Geschichten von Diskriminierung als Eltern, Pflegende, Fürsorgende

Janina: Pflege aus Liebe ohne Unterstützung

25.03.2026 | Beruf & Karriere, Pflege & Familie | 0 Kommentare

ich möchte meine Situation als pflegende Angehörige teilen, weil ich das Gefühl habe, dass diese Realität oft nicht gesehen wird.

Familie war für mich schon immer das Wichtigste. Ich habe früh meinen Papa verloren, und vielleicht hat mich das noch enger an meine Familie gebunden.

Als mein Opa erste neurologische Ausfälle hatte, habe ich gemerkt, wie schnell man im System alleine dasteht. Wichtige Untersuchungen wurden nicht rechtzeitig gemacht – einen CT-Termin habe ich selbst organisiert. Kurz darauf lag mein Opa im Koma.

Ab da hat sich alles verändert.
Ich bin jeden Tag mit meiner Oma ins Krankenhaus gefahren, habe Dinge übernommen, die sonst mein Opa gemacht hat, habe organisiert, telefoniert, geplant. Einkäufe, Arzttermine, Absprachen – alles lief plötzlich über mich.

Vieles muss man heute online klären, weil telefonisch oft niemand erreichbar ist. Für ältere Menschen ist das kaum machbar. Auch einfache Dinge wie Einkaufen oder Wege werden schwierig, weil die Infrastruktur oft nicht darauf ausgelegt ist.

Gleichzeitig lief mein Job weiter. Ich habe Überstunden genommen, Urlaubstage eingesetzt und irgendwann meine Stunden reduziert, weil ich gemerkt habe, dass ich sonst daran kaputtgehe.

Viele in meinem Alter gründen eine Familie – und ich finde das schön.
Bei mir sieht Fürsorge einfach anders aus. Ich kümmere mich um meinen Opa, organisiere seinen Alltag und versuche, für ihn da zu sein. Ich mache das, weil es mir wichtig ist und weil ich dankbar bin für die Zeit, die wir noch haben.

Aber es ist auch eine Belastung.
Und es fühlt sich oft so an, als würde diese Form von Verantwortung anders bewertet werden.

Ich kann mich nicht „krank melden“, weil ich mich um ihn kümmern muss.
Ich habe finanzielle Einbußen, weil ich weniger arbeite.
Ich kann vieles nicht planen.

Und ja, es gibt die Möglichkeit, eine Familienpflegezeit zu nehmen.
Aber dafür müsste ich einen Kredit aufnehmen.

Ich möchte keinen Kredit aufnehmen, nur weil ich mich um meinen Opa kümmere.
Für mich ist das keine Entscheidung aus Bequemlichkeit, sondern aus Verantwortung und Liebe. Und genau deshalb fühlt sich diese Lösung nicht wie echte Unterstützung an.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert