Care kontert: Schluss mit der Mogelpackung!
Die geheimen Kürzungspläne und die Reform der Krankenversicherung sind Mogelpackungen. Die Kosten und die Arbeit werden auf Familien, Pflegende und vor allem Frauen abgewälzt. Wir sagen: Care kontert!
Zwei aktuelle politische Vorhaben bedrohen die soziale Infrastruktur und treffen Familien, pflegende Angehörige und Menschen mit Behinderung besonders hart. Was als Sparmaßnahme verkauft wird, ist in Wahrheit eine Mogelpackung: Die Kosten und die Arbeit werden auf Care-Arbeitende – meist Frauen – abgewälzt.
Schluss damit! Care kontert – wir geben Contra und machen sichtbar, wer wirklich zahlt. Schreib auch du deiner*m Abgeordneten und zeig, dass wir uns die Mogelpackung nicht gefallen lassen!
Doch die Lasten tragen nur wenige. Zu wenige.
Jetzt Petition auf WeAct unterzeichnen!
Darum geht es:
Das geheime Kürzungspapier
Jüngst wurde vom Paritätischen ein internes Arbeitspapier öffentlich, das massive Kürzungen in der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Behindertenhilfe vorsieht.
Was steht im Papier?
- Weniger Schulbegleitung: Kinder mit Behinderung verlieren Unterstützung im Schulalltag.
- Einschränkung des Wunsch- und Wahlrechts: Menschen mit Behinderung sollen weniger selbst bestimmen dürfen, welche Unterstützung sie erhalten.
- Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss: Über 800.000 Kinder, vor allem aus Alleinerziehenden-Haushalten, sind direkt betroffen. Weniger Unterhaltsvorschuss bedeutet mehr Kinderarmut und noch mehr unbezahlte Care-Arbeit – meist von Frauen.
Streichung von Hilfen zur Erziehung und Familienunterstützung: Sozialarbeit, Familienhilfe oder therapeutische Angebote werden gekürzt – Familien bleiben mit ihren Problemen allein.
Was bedeutet das?
Die Bedarfe verschwinden nicht, nur weil der Staat spart. Was an Unterstützung fehlt, müssen Familien, meist Mütter, Großeltern oder Geschwister, auffangen – unbezahlt, unsichtbar und oft am Rand der Erschöpfung.
Kinder und Jugendliche mit besonderem Bedarf werden abgehängt, ihre Chancen auf Teilhabe und Entwicklung schwinden. Menschen mit Behinderung werden wieder stärker auf ihre Familien zurückgeworfen und verlieren an Selbstbestimmung.
Die GKV-Reform („Beitragssatzstabilisierungsgesetz“)
Parallel dazu plant die Bundesregierung eine umfassende Reform der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).
Was steckt in der Reform?
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Weniger Leistungen, mehr Zuzahlungen: Was die Kassen nicht mehr zahlen, zahlen wir – mit Geld, Zeit und Gesundheit.
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Mehr Bürokratie: Wer Fürsorge trägt, muss jetzt noch mehr Nachweise bringen, Fristen einhalten und Anträge ausfüllen.
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Wegfall der Tarifrefinanzierung: Seit 2009 war gesetzlich sichergestellt, dass Lohnerhöhungen für Pflegekräfte und andere Beschäftigte im Gesundheitswesen von den Krankenkassen automatisch refinanziert werden. Diese Garantie wird nun abgeschafft. Künftig werden Lohnerhöhungen nur noch bis zur allgemeinen Lohnentwicklung refinanziert. Alles, was darüber hinausgeht, müssen die Einrichtungen selbst tragen – oder sie verzichten auf höhere Löhne. Das schwächt die Verhandlungsmacht der Beschäftigten, verschärft den Personalmangel und gefährdet die Versorgung aller.
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Einschränkung der beitragsfreien Familienversicherung: Viele Familien werden künftig zusätzlich belastet, wenn ein Elternteil nicht erwerbstätig ist.
Was bedeutet das?
Jede Kürzung, jede Leistungseinschränkung, jede finanzielle Hürde wird letztlich von den Familien und insbesondere von Frauen aufgefangen, die den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit leisten.
Was als „Einsparung“ verkauft wird, ist in Wahrheit eine verdeckte Beitragserhöhung für alle, die Care-Arbeit leisten.
CARE
_KONTER
Gemeinsam ist beiden: Es sind Mogelpackungen
Ob geheime Kürzungspläne oder GKV-Reform – beide Vorhaben verschleiern, dass am Ende Familien, pflegende Angehörige und Menschen mit Behinderung die Zeche zahlen.
Die Politik spart auf dem Papier, aber in Wirklichkeit werden die Kosten und die Arbeit nur verschoben: Was der Staat nicht mehr finanziert, wird zur unbezahlten Mehrarbeit für Familien – und damit zur verdeckten Beitragserhöhung für Care-Arbeitende.
Wie du mitmachen kannst
1. Schwimmbäder finden
2. Eintrittspreise checken
Gibt es nur Vater-Mutter-Kind-Tarife? Dann los!
3. Mailadresse finden
Kontaktdaten und Ansprechpersonen heraussuchen.
4. Mail versenden
Nutze unsere E-Mail-Vorlage. Du findest sie weiter unten auf der Seite oder verwende den Link, der dein Mailprogramm öffnet.
Wichtig: Wenn du mehrere Bäder anschreibst, setze die Adressen ins BCC-Feld.
5. Rückmeldung geben
Gleich ein Erfolg? Negative Reaktion? Lass es uns wissen!
Tipp: So kannst du noch einen Schritt weiter gehen
Diese Preisregelung gibt es auch in anderen Freizeiteinrichtungen, wie Kletterparks, Museen oder Zoos. Schreib also gerne auch diese an.
Und: Wenn du das Thema noch stärker ins öffentliche Bewusstsein bringen möchtest, nutze unsere zusätzliche E-Mail-Vorlage für Gleichstellungsbeauftragte oder Kommunalpolitiker*innen deiner Stadt oder Gemeinde – so schaffen wir gemeinsam noch mehr Aufmerksamkeit für faire Eintrittspreise.
Mailvorlage für Schwimmbäder
… oder kopiere den Text und unterstütze uns dabei faire Eintrittspreise für Sorgearbeit zu gestalten!
Betreff: Vorschlag für faire Eintrittspreise – CARE_TICKET (1+X)
Liebes Team,
vielen Dank, dass Sie familienfreundliche Eintrittspreise anbieten, das ist gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten sehr wertvoll!
Uns ist aufgefallen, dass sich der Familientarif ausschließlich an dem klassischen Vater-Mutter-Kind-Modell orientiert. Dabei werden viele betreuende Personen, wie 1-Eltern-Familien oder Betreuungspersonen wie ältere Geschwister oder Großeltern etc. nicht berücksichtigt.
Unser Vorschlag: Wie wäre es zusätzlich mit einem vergünstigten Care_Ticket für eine betreuende Person plus X Kinder (1+X), unabhängig davon, wer das ist?
Die gesellschaftliche Realität ist längst vielfältiger – und ein solches Ticket wäre ein starkes Zeichen für soziale Verantwortung, Anerkennung von Sorgearbeit und damit auch echte Familienfreundlichkeit.
Wir würden uns freuen, wenn Sie den Gedanken mitnehmen und stehen bei Rückfragen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
…
und das Aktionsbündnis
- Liga für unbezahlte Arbeit (LUA) e.V.
- Verband alleinerziehender Mütter und Väter NRW (VAMV NRW)
- Stiftung Alltagsheld:innen
- SOLOMÜTTER
- Fair für Kinder e.V.
Mailvorlage für Politiker*innen
… oder kopiere den Text und unterstütze uns dabei faire Eintrittspreise für Sorgearbeit zu gestalten!
Betreff: Faire Eintrittspreise in städtischen Einrichtungen – CARE_TICKET (1+X)
Liebe*r [Name],
wir wenden uns heute mit einem Anliegen an Sie, das viele Menschen betrifft, die Sorgearbeit leisten – ob als Alleinerziehende oder in anderen Sorgekonstellationen, die nicht dem klassischen Familienmodell entsprechen.
Derzeit orientieren sich die Eintrittspreise vieler öffentlicher Einrichtungen – wie Schwimmbäder, Museen oder Zoos – an einem engen Familienbegriff. Die sogenannten „Familientarife„ berücksichtigen oft nur das Vater-Mutter-Kinder-Modell und schließen damit zahlreiche sorgeleistende Personen strukturell aus.
Unser Vorschlag:
Ein CARE_TICKET (1+X) – eine betreuende Person plus beliebig viele Kinder oder zu betreuende Personen zu einem vergünstigten Preis, unabhängig von Familienstand oder biologischem Verwandtschaft.
Sorgearbeit wird längst in vielfältigsten Konstellationen geleistet. Ein solches Ticket wäre ein starkes Zeichen für Anerkennung, Gleichstellung und Familiengerechtigkeit im besten Sinne – denn Sorgearbeit ist nicht an den Familienstatus gebunden.
Wir würden uns freuen, wenn Sie dieses Anliegen aktiv unterstützen:
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Bringen Sie das Thema in Ihre Gremien ein.
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Sensibilisieren Sie Ämter und Fachbereiche.
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Regen Sie die Weiterentwicklung bestehender Eintrittspreise an.
Vielen Dank für Ihre Arbeit und Ihre Unterstützung auf dem Weg zu fairen Preisstrukturen für alle Sorgearbeitenden.
Mit freundlichen Grüßen
…
und das Aktionsbündnis
- Liga für unbezahlte Arbeit (LUA) e.V.
- Verband alleinerziehender Mütter und Väter NRW (VAMV NRW)
- Stiftung Alltagsheld:innen
- SOLOMÜTTER
- Fair für Kinder e.V.
CARE_TICKET Guide
Worauf es bei fairen Eintrittspreisen für alle ankommt
Barrierearm?
Ist das Ticket leicht verständlich – ohne komplizierte Rechenmodelle oder umständliche Nachweise?
Ziel: möglichst unbürokratisch und niedrigschwellig – schnell und einfach den Preis verstehen, ohne lange nachrechnen zu müssen.
Inklusive Sprache?
Wie heißt das Ticket? Begriffe wie „Familienkarte“ schließen oft aus. Ein inklusiver Name wie „CARE_TICKET (1+X)“ signalisiert: Hier sind alle Sorgekonstellationen willkommen.
Ziel: sprachlich sichtbar machen, dass Familie vielfältig ist.
Inklusive Berechtigung?
Wer darf das Ticket nutzen? Nur leibliche Eltern – oder auch Großeltern, Pflegeeltern, Patchworkeltern, Pat*innen, ältere Geschwister, queere Sorgekonstellationen?
Ziel: Jede Sorgebeziehung anerkennen, unabhängig von rechtlicher oder biologischer Verwandtschaft.
Faire Preisgestaltung?
Ist der Preis wirklich günstiger, wenn mehrere Personen betreut werden? Orientiert sich die Ermäßigung am Einzelpreis oder werden bestimmte Konstellationen immer benachteiligt?
Ziel: echte finanzielle Entlastung für Sorgearbeitende, nicht nur symbolische Rabatte.
Einfacher Zugang?
Wie leicht ist das Ticket vor Ort oder online zu kaufen? Gibt es Hürden oder ist es unkompliziert buchbar?
Ziel: ein zugängliches Ticket, das ohne Umwege nutzbar ist.
Spread the word!
Mach auf die Aktion CARE_TICKET (1+X) aufmerksam.
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Aktionsbündnis CARE_TICKET
Liga für unbezahlte Arbeit (LUA)
Die Liga für unbezahlte Arbeit ist wie eine Gewerkschaft – nur für Sorge. Sie setzt sich für die Rechte von Menschen ein, die unbezahlte Sorgearbeit leisten. Ihr Ziel ist die Aufnahme des Merkmals „familiäre Fürsorgeverantwortung“ in Artikel 3 des Grundgesetzes, um Diskriminierung aufgrund von Sorgearbeit zu verhindern. Jetzt Mitglied werden!
Verband alleinerziehender Mütter und Väter NRW (VAMV NRW)
Der VAMV NRW ist seit 50 Jahren die Interessenvertretung für Alleinerziehende in NRW. Seine Mitglieder machen sich stark für Gleichstellung und Teilhabe.
Alltagsheld:innen
Die gemeinnützige Stiftung Alltagsheld:innen setzt sich dafür ein, dass Alleinerziehende mit ihren Kindern selbstbestimmt, finanziell und rechtlich abgesichert sowie frei von Diskriminierung leben können. Dazu fördert und initiiert sie innovative Projekte, setzt Themen und Impulse, stärkt Netzwerke und unterstützt wissenschaftliche Untersuchungen zu den verschiedenen Bedarfen von Ein-Eltern-Familien.
SOLOMÜTTER
SOLOMÜTTER – das (digitale) Zuhause für Single Moms ist die erste gemeinnützige Online-Plattform für allein- und getrennterziehende Frauen. Das Angebot ist von Alleinerziehenden für Alleinerziehende konzipiert und möchte Frauen informieren, stärken und vernetzen. Solomütter ist eine gemeinnützige UG und setzt sich für eine Gesellschaft ein, in der Alleinerziehende und ihre Kinder nicht mehr benachteiligt werden.
Fair für Kinder e.V.
Der Verein Fair für Kinder e.V. ist angetreten, um der finanziellen und steuerlichen Diskriminierung von alleinerziehenden Familien ein Ende zu setzen.

