Hallo Care-Werkschaftler…
Ich bin Tanja, Jahrgang 1980, Krisen-fest verheiratet, habe zwei Kinder, geboren 2008 und 2012 und wohne seit Sommer 2015 bei München.
2010 wurde bei mir eine schwere, erbliche Darmkrebs-Erkrankung diagnostiziert, die trotz Medikamenten, Operation & Vorsorge-Untersuchungen 2015 zum Darm-Infarkt mit Darm-Verschluss führten. Daraus folgte eine lebensbedrohliche Infektion und eine monatelange Behandlung mit vielen Operationen, Infusionen, Untersuchungen und schmerzhaften Therapien bei verschiedenen Kliniken rund um München, Berlin & Bayrischer Wald.
Nach 4 Monaten kam ich endlich wieder Heim, allerdings mit einem erheblichen Pflege-Bedarf rund um ein Ileo-Stoma mit Kurzdarm-Syndrom und einem Broviac-Katheter unterhalb der Schulter für tägliche Infusionen zur Nährstoff- & Wasser-Versorgung, denn mein Verdauungstrakt war & ist dazu allein nicht mehr in der Lage.
Seit 2015 bin ich also schwerst-chronisch-krank und somit Rentnerin.
Nach diesen traumatischen Erlebnissen, gerade für meine Kinder, habe ich mich mit meinem Mann entschieden, dem Ideal eines liebevollen, engagierten Zuhauses treu zu bleiben, und mich um meine zeitintensive, anspruchsvolle, tägliche Pflege selbst zu kümmern, um Familien-Aufgaben und Pflege im Alltag gut aufeinander abzustimmen.
Mit meinem Helfer-Netzwerk aus Fachleuten (Fresenius Kabi, Publicare, Apotheke,…) und engagierten Freunden ist mir das gelungen, doch punktuelle Unterstützung von Seiten der Krankenkasse wurde mir verwehrt.
Grundsätzlich gibt es ja die Haushaltshilfe, die in der Krankenphase des Elternteils Care-Aufgaben übernimmt.
In meinem Fall hätte ich einen Bring-Dienst für meine vierjährige Tochter in die Kita gebraucht. Denn am Morgen musste ich mich um meine Infusion daheim kümmern und konnte nicht gleichzeitig, pünktlich zur Kita fahren.
Doch bei der Krankenkasse (BIG direkt gesund) erhielt ich eine Absage, weil sich mein Zustand ja nicht bessern würde. Diese Hilfe sei nur für 6 Wochen oder so angedacht. Sie hatten auch keine Kontakte zu anderen möglichen Hilfsdiensten.
Damals hat mich das tief getroffen. Ich war ja wirklich stark belastet mit Familie, Pflege, Ärzten, Behandlungen,… und hatte kaum Ressourcen fürs Kämpfen & Erstreiten meiner Rechte.
Wäre ich eine „brave“, weil depressive, apathische, hilflose Kranke gewesen, mit Pflegedienst ans Heim gefesselt und hätte einen Pflegegrad gehabt, wären mir alle möglichen Hilfen zuteil geworden.
Doch weil ich eine aktive, kompetente Kranke bin, wurde mir diese kleine Hilfe verwehrt.
Am Ende war unsere Rettung dann die Nachbarschaftshilfe FFB, die vermittelten dann eine Frau, die diesen Job bis zum Ende der Kita-Zeit übernahm.
Abschließend lässt sich sagen, dass auch dieser Fahrdienst nur zeitweilig nötig war, weil unsere Tochter größer und selbständiger wurde und sich mit dem Schulanfang alles änderte.
Liebe Grüße, Tanja


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