Als unser Kind sich im Alter von fast 2 Jahren ein Bein gebrochen hat und dabei eine Tumorerkrankung im Bein festgestellt wurde, mussten wir alles ohne staatliche Hilfe machen. Ich war ca. 2 Wochen mit dem Kind im Krankenhaus. Unser damals sechsjähriges Geschwister-Kind musste von meinem Mann betreut werden, der aber zur Arbeit 30 km entfernt fahren musste (Home Office kannte vor Corona ja keiner). Also haben wir Freunden und Nachbarn um Hilfe gebeten, wann immer es ging. Das kleine Kind musste nach der OP monatelang einen Beckenbeingips tragen. D.h. die untere Hälfte des Kindes war komplett...
Eure Geschichten von Diskriminierung als Eltern, Pflegende, Fürsorgende
Nina: Ausnutzung im Ehrenamt
Das, was ich erlebe, geht sehr vielen anderen Mitmenschen in ähnliches Situationen auch so - wir sind vernetzt und sprechen drüber.Das Thema: Ausnutzung im Ehrenamt. Klar, man hat es sich so ausgesucht, das Herz hängt an den Aufgaben, die man mit sehr viel Engagement und oft mit enormen Fachwissen erledigt, weil es sonst niemand tut.Wenn das Engagement im Hobby/Freizeitbereich ist, kein Thema. Aber wenn man 24/7 damit beschäftigt ist, nicht mehr deswegen einer regulären Arbeit nachgehen kann und man außer warmen Worten nichts für seine Arbeit bekommt, ist das nicht gut. Die Menschen bluten...
Laura: Teilzeitmütter verlieren durch Mutterschutzlücke
Ich bin selbstständig, habe mit 24 mein erstes Kind bekommen und danach Teilzeit gearbeitet wegen Kind. Freiwillig gesetzlich versichert, mit 32 nochmal schwanger. Ab Monat 3 ging Arbeiten kaum noch und dann erfahre ich, dass mir nicht mal Mutterschutzgeld zusteht, weil ich ja als Teilzeit Arbeitende keinen Anspruch auf Krankengeld habe. Elterngeld liegt natürlich auch beim Minimum, wenn Frau in der Zeit vorher nichts verdient… Warum sich das Elterngeld bei Wenigverdienenden überhaupt nach unten reguliert, statt höher zu werden, hat sich mir auch noch nicht erschlossen. Als würde irgendwer...
Alexandra: Unverschuldete Ausfallhonorare
Ich musste schon öfter eine Therapie (Logo, Physio oder Osteopathie) für mich selber kurzfristig (unter 24 h) absagen, weil mir der Pflegedienst regelmäßig kurzfristig ausfällt, der eigentlich die Betreuung meines intenisv pflegebedürftigen Kindes übernimmt zu bestimmten Zeiten. Deshalb musste ich in Solchen Fällen eine Therapieausfall Gebühr bezahlen.
Corinna: Als Pflegeperson keine Krankenversicherung
Seit der Geburt meines Kindes (18. LM) habe ich es Vollzeit gepflegt (Pflegegrad 3). Da mein befristeter Arbeitsvertrag in der Zwischenzeit ausgelaufen ist und ebenso das Elterngeld, fehlte mir die Krankenversicherung. Da ich nicht verheiratet bin, teilte mir die Krankenkasse mit, dass ich mich selbstversichern müsse. Dies ist seit ein paar Monaten der Fall und teuer. Ich empfinde es als ungerecht, dass ich als (erwerbsarbeitslose) Pflegeperson nicht automatisch (gesetzlich) krankenversichert bin.
Erika: Tarifänderung verhindert Frührente trotz Pflegezeiten
Ich habe zwei Kinder – eines davon mit einer Behinderung, das andere gesund. Ich bin seit vielen Jahren berufstätig, war mit dem Vater meiner Kinder verheiratet und später alleinerziehend. Wegen der besonderen Betreuungssituation wurden mir für mein behindertes Kind bis zu dessen 18. Lebensjahr Rentenpunkte angerechnet – allerdings nur, solange ich höchstens 30 Stunden pro Woche arbeitete. Dieser Ausgleich entfiel, als sich tarifliche Regelungen änderten und meine Arbeitszeit geringfügig über diese Grenze hinausging (30,75 Std. Woche)., obwohl mein Gehalt gleich blieb. Mein Alltag bestand...
Tina: Wertlos, dass man sich um Kinder kümmert
Ich bin seit 40 Jahren Rollstuhlfahrerin und habe eine Behinderung von 100%. 1995 habe ich ein Diplom in XXX gemacht und 3 Jahre garbeitet. Seitdem ich 2000 aber schwanger geworden bin, habe ich keine Arbeit mehr gefunden und es war mit den 3 Kindern für mich auch nicht möglich neben der Kindererziehung zu arbeiten. Ich habe in den letzten 25 Jahren meine 3 Kinder allein großgezogen (mit dem Unterhalt der Väter). Wenn meine jüngste Tochter, die jetzt gerade 18 geworden ist, auszieht, muß ich Bürgergeld/Sozialhilfe/Hartz 4 beantragen, da ich dann nur noch ein kleines Einkommen von ca. 800,00...
Leena: Wegen Pflegezeit kein Elterngeld
Meine Geschichte ist kurz erzählt, und ich bin überzeugt, dass das auch rechtlich als Diskriminierungsfall anzusehen ist: ich habe vor der Schwangerschaft meines 2. Kindes einige Monate meinen schwerkranken Vater gepflegt (bin 100% in Pflegezeit gegangen, Erwerbsarbeit pausiert, musste monatlich 200€ Krankenkassebeiträge bezahlen > 1. Benachteiligung). Dann wurde ich schwanger und habe Elterngeld beantragt. Dabei wurde die Pflegezeit mit 0€ angerechnet, hatte ja nichts "verdient" > 2. Benachteiligung. Aber: wäre ich davor in Elternzeit gewesen, dann hatte sich der Berechnungszeitraum einfach...
Marie-Luise: Hinterbliebenenrente unfair geregelt
Ich selbst bin verwitwet alleinerziehnd und engagiere mich politisch für Hinterbliebene. Hinterbliebene Eltern dürfen nur 1038 Euro verdienen, dann wird von jedem weiteren Euro 40 Cent von der Hinterbliebenenrente abgezogen. Das ist aus verschiedenen Gründen sehr unfair: 1. Es ist eine VERSICHERUNGSleistung, also beruht sie auch auf Beitragszahlungen, die auch innerhalb einer Ehe gemacht wurden und an einem willkürlichen Punkt gekürzt werden 2. Es ist eine Unterhaltsersatzleistung - aber je mehr man verdient, desto weniger bekommt man und zudem wird es (vs. Unterhalt) versteuert und es sind...

