Ich bin Witwe und Mutter zweier minderjähriger Kinder. Mein Mann ist 2024 am Geburtstag unserer jüngeren Tochter an Krebs gestorben.Im selben Jahr hat mich mein Arbeitgeber aus betrieblichen Gründen gekündigt. Das letzte Jahr habe ich gebraucht um mich zu sammeln, war arbeitslos und habe in diesem Jahr eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker begonnen, um im Anschluss Chancen auf besser bezahlte Arbeit zu bekommen, damit ich uns und unser Haus finanzieren kann.Ich mache die Schule in Teilzeit über 4 Jahre, da die Vollzeitklasse mit den möglichen Betreuungszeiten meiner Kinder...
Eure Geschichten von Diskriminierung als Eltern, Pflegende, Fürsorgende
Petra: Das Loch in unserem angeblich so sicheren sozialen Netz
Meine Geschichte liegt schon länger zurück, inzwischen fast 20 Jahre.Dennoch finde ich es wichtig, darauf hinzuweisen, da es vermutlich auch heute noch vorkommt: Als meine Kinder gerade 8, 10 und 12 Jahre alt waren, hat sich ihr Erzeuger von mir getrennt und bald darauf die Scheidung verlangt.Da ich ahnte, was auf mich zukommt, habe ich dies - so lange es ging - herausgezögert. Denn er war Beamter und damit waren wir alle Mitglieder in der privaten Kranken- und Pflegeversicherung und beihilfeberechtigt über seinen Dienstgeber.Ich war "Hausfrau" und mit der Pflege und Versorgung der Kinder...
Karin: Wie Carearbeit mich in die Altersarmut geführt hat
Wie wurde ich benachteiligt? Dadurch, dass ich Care-Verantwortung getragen habe: Ich bin jetzt 69 Jahre alt, Rentnerin. 1982 im Alter von 26 Jahren wurde ich Mutter und meine unbezahlte Care-Arbeit als Mutter begann. Ich war bis dahin Studentin, hatte gerade mein Vordiplom bestanden. Mein Partner und Vater meines Kindes wollte sich an der Care-Arbeit beteiligen, was er sich schon kurze Zeit nachdem er Vater geworden war, anders überlegte und gänzlich aus meinem Leben verschwand.So wurde ich unerwartet zur alleinerziehenden Mutter, die über das Jugendamt einen Mindestkindesunterhalt erhielt....
Anja: Wer hilft, wenn Kinder Pflege brauchen?
Als unser Kind sich im Alter von fast 2 Jahren ein Bein gebrochen hat und dabei eine Tumorerkrankung im Bein festgestellt wurde, mussten wir alles ohne staatliche Hilfe machen. Ich war ca. 2 Wochen mit dem Kind im Krankenhaus. Unser damals sechsjähriges Geschwister-Kind musste von meinem Mann betreut werden, der aber zur Arbeit 30 km entfernt fahren musste (Home Office kannte vor Corona ja keiner). Also haben wir Freunden und Nachbarn um Hilfe gebeten, wann immer es ging. Das kleine Kind musste nach der OP monatelang einen Beckenbeingips tragen. D.h. die untere Hälfte des Kindes war komplett...
Nina: Ausnutzung im Ehrenamt
Das, was ich erlebe, geht sehr vielen anderen Mitmenschen in ähnliches Situationen auch so - wir sind vernetzt und sprechen drüber.Das Thema: Ausnutzung im Ehrenamt. Klar, man hat es sich so ausgesucht, das Herz hängt an den Aufgaben, die man mit sehr viel Engagement und oft mit enormen Fachwissen erledigt, weil es sonst niemand tut.Wenn das Engagement im Hobby/Freizeitbereich ist, kein Thema. Aber wenn man 24/7 damit beschäftigt ist, nicht mehr deswegen einer regulären Arbeit nachgehen kann und man außer warmen Worten nichts für seine Arbeit bekommt, ist das nicht gut. Die Menschen bluten...
Laura: Teilzeitmütter verlieren durch Mutterschutzlücke
Ich bin selbstständig, habe mit 24 mein erstes Kind bekommen und danach Teilzeit gearbeitet wegen Kind. Freiwillig gesetzlich versichert, mit 32 nochmal schwanger. Ab Monat 3 ging Arbeiten kaum noch und dann erfahre ich, dass mir nicht mal Mutterschutzgeld zusteht, weil ich ja als Teilzeit Arbeitende keinen Anspruch auf Krankengeld habe. Elterngeld liegt natürlich auch beim Minimum, wenn Frau in der Zeit vorher nichts verdient… Warum sich das Elterngeld bei Wenigverdienenden überhaupt nach unten reguliert, statt höher zu werden, hat sich mir auch noch nicht erschlossen. Als würde irgendwer...
Ilga: Als Care-Arbeitende in Bittsteller-Position gezwungen
Als ich nach Kündigung meines Jobs mit der Absicht, das Abitur am Kolleg nachzuholen, feststellte unbeabsichtigt schwanger zu sein, begann für mich ein jahrelanger Albtraum an demütigenden Behördengängen, denn einen Job bekam ich so nicht mehr, aber die Sachbearbeiter:Innen waren angehalten, die Staatsgelder nicht so einfach rauszurücken - und so fühlte ich mich wie eine Bettlerin, die sich jedesmal von Neuem für den Antrag auf lebensnotwendigen Hilfen rechtfertigen musste, als würde die Person hinterm Schreibtisch meinen Unterhalt aus der eigenen Tasche bezahlen. Um mich und mein Kind...
Bettina: Die Frauen tragen die ganze Last
Meine Mutter und ich hatten immer ein enges Verhältnis und so beschlossen wir ein paar Jahre nach meinem Studium einen Mehrgenerationen-Haushalt in einer 5-Zimmer-Wohnung zu gründen. Mein Mann war einverstanden, für meine Tochter war es großartig ihre Oma so nah zu haben und auch in das Lebensmodell meiner Mutter passte es gut: Sie war zwar seit 10 Jahren neu verheiratet, allerdings mit einem sehr unselbständigen Mann aus XXX mit Schlaganfall (Pflegegrad 2) und so es reichte ihr, sich regelmäßig zu sehen. Sie sortierte ihm wöchentlich die Pillen, begleitete zu Arztterminen, machte die...
Erika: Tarifänderung verhindert Frührente trotz Pflegezeiten
Ich habe zwei Kinder – eines davon mit einer Behinderung, das andere gesund. Ich bin seit vielen Jahren berufstätig, war mit dem Vater meiner Kinder verheiratet und später alleinerziehend. Wegen der besonderen Betreuungssituation wurden mir für mein behindertes Kind bis zu dessen 18. Lebensjahr Rentenpunkte angerechnet – allerdings nur, solange ich höchstens 30 Stunden pro Woche arbeitete. Dieser Ausgleich entfiel, als sich tarifliche Regelungen änderten und meine Arbeitszeit geringfügig über diese Grenze hinausging (30,75 Std. Woche)., obwohl mein Gehalt gleich blieb. Mein Alltag bestand...
Tina: Wertlos, dass man sich um Kinder kümmert
Ich bin seit 40 Jahren Rollstuhlfahrerin und habe eine Behinderung von 100%. 1995 habe ich ein Diplom in XXX gemacht und 3 Jahre garbeitet. Seitdem ich 2000 aber schwanger geworden bin, habe ich keine Arbeit mehr gefunden und es war mit den 3 Kindern für mich auch nicht möglich neben der Kindererziehung zu arbeiten. Ich habe in den letzten 25 Jahren meine 3 Kinder allein großgezogen (mit dem Unterhalt der Väter). Wenn meine jüngste Tochter, die jetzt gerade 18 geworden ist, auszieht, muß ich Bürgergeld/Sozialhilfe/Hartz 4 beantragen, da ich dann nur noch ein kleines Einkommen von ca. 800,00...

