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Karin: Wie Carearbeit mich in die Altersarmut geführt hat

05.03.2026 | Beruf & Karriere, Finanzen & Altersvorsorge, Mental Load & Alltag | 0 Kommentare

Wie wurde ich benachteiligt? Dadurch, dass ich Care-Verantwortung getragen habe:

Ich bin jetzt 69 Jahre alt, Rentnerin. 1982 im Alter von 26 Jahren wurde ich Mutter und meine unbezahlte Care-Arbeit als Mutter begann. Ich war bis dahin Studentin, hatte gerade mein Vordiplom bestanden. Mein Partner und Vater meines Kindes wollte sich an der Care-Arbeit beteiligen, was er sich schon kurze Zeit nachdem er Vater geworden war, anders überlegte und gänzlich aus meinem Leben verschwand.
So wurde ich unerwartet zur alleinerziehenden Mutter, die über das Jugendamt einen Mindestkindesunterhalt erhielt. Meinen Eltern, die mich finanziell unterstützten, habe ich es zu verdanken, dass ich mein Studium nicht aufgeben musste und in Teilzeit zu Ende studieren konnte. Mein Leben bestand nun für 16 Jahre aus unbezahlter Care-Arbeit und Studium bzw. anschließend aus unbezahlter Care-Arbeit und bezahlter sozialversicherungspflichtiger Teilzeitarbeit.

Wo war ich denn nun benachteiligt durch Care-Verantwortung?

Finanziell – Ich habe durch Studium mit Unterhaltszahlung durch meine Eltern und späterer sozialversicherungspflichtiger Teilzeitarbeit nicht oder kaum über das Einkommen einer Sozialhilfeempfängerin hinaus gelebt, also viele Einschränkungen in Kauf nehmen müssen, und insgesamt habe ich so natürlich wenig Rentenansprüche erworben.

Sozial – Ich hatte so gut wie keine Zeit und Geld zur sog. gesellschaftlichen und sozialen Teilhabe. Es war schwerer für mich, einen neuen Partner zu finden (hatte auch nicht geklappt).

Freizeit/Gesundheit – Ich hatte so gut wie keine Freizeit und steuerte allmählich in Richtung Burnout.

Berufliche Möglichkeiten – Ich war auf eine Teilzeittätigkeit im näheren Umfeld mit kindgerechten Arbeitszeiten angewiesen und hatte keine Zeit für Überstunden (eine Vollzeittätigkeit bedeutete inkl. Mittagspause und Weg zur Arbeit ca. 10-11 Stunden Abwesenheit von zu Hause, 10-11 Stunden Kita-Betreuung – wer will denn so etwas und kann so etwas? Mir und meinem Kind war das nach einem 4 Wochen-Versuch viel zu viel).

Psychisch – Ich habe sehr unter mangelnder Anerkennung und Wertschätzung, unter finanziellen Sorgen und allgemeiner Überforderung, Abhängigkeit (von meinen Eltern), Minderwertigkeitsgefühlen gelitten.

Es hat dann auch nachdem mein Kind erwachsen und ausgezogen war noch eine Weile gedauert bis sich meine berufliche Situation verbessert hat.
Die letzten 12 Jahre meines Berufslebens hatte ich eine gute Arbeit mit gutem Verdienst, was allerdings meine Rente nicht mehr retten konnte.
Nun lebe ich in sog. Altersarmut.

Was aber das schlimmste und traurigste für mich ist, ist dass ich die Zeit mit meinem Kind überwiegend als stressige Zeit in Erinnerung habe.

Wenn neben der Care-Verantwortung natürlich auch noch andere positive wie negative Faktoren zu meinem Lebenslauf beigetragen haben, so war doch die Care-Verantwortung der bedeutsamste Faktor, denke ich.

Wenn ich mir vorstelle, ich hätte z.B. in den ersten 3 Jahren mit Kind für meine Care-Arbeit ein sozialversicherungspflichtiges Vollzeitgehalt bekommen und danach noch ca. 12-15 Jahre ein sozialversicherungspflichtiges Teilzeitgehalt für meine Care-Arbeit bekommen, mein Leben und das meines Kindes wäre ein anderes gewesen, auf jeden Fall ein ausgeglicheneres, gesünderes Leben vor allem durch mehr finanzielle Sicherheit und Möglichkeiten und durch das gute Gefühl der gesellschaftlichen Anerkennung, Wertschätzung und Fairness.

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