Hier ist die Stellungnahme fürs BMBFSJF als pdf
Berlin, 29.10.2026 Die Liga für unbezahlte Arbeit (LUA) – die carewerkschaft – lehnt das geplante neue Elterngeldmodell in seiner jetzigen Form ab. Der Referentenentwurf des Bundesfamilienministeriums verspricht mehr Partnerschaftlichkeit, entlastet den Bundeshaushalt aber ab 2030 um rund 1,3 Milliarden Euro jährlich. Das Geld wird bei den Eltern eingespart, die nach dem vierten Monat weiter betreuen. Das sind ganz überwiegend Mütter.
Künftig sollen Eltern in den ersten vier Bezugsmonaten 80 Prozent ihres Nettoeinkommens erhalten, danach nur noch 50 statt bisher 65 Prozent. Zugleich sinkt die Höchstbezugsdauer für einen Elternteil von zwölf auf zehn Monate. Hinzu kommt eine Asymmetrie, die der Entwurf nicht erwähnt: Weil die Monate des Mutterschutzes als Elterngeldmonate zählen, bleiben Müttern in der Regel nur zwei Monate mit 80 Prozent, Vätern dagegen vier.
„Mehr reservierte Monate für Väter sind richtig. Aber dieses Modell belohnt Partnerschaftlichkeit nicht, es macht längere Sorgezeiten teurer“, sagt Jo Lücke, Vorständin der LUA. „Wo ein Partner nicht übernehmen kann, ändert sich nicht die Aufteilung, sondern nur das Einkommen. Die Sorgearbeit findet trotzdem statt, nur schlechter abgesichert. Eine Haushaltsentlastung auf Kosten von Familien in der ersten Lebensphase eines Kindes ist für uns kein legitimes Ziel.“
Besonders hart trifft die Reform Alleinerziehende, die die Betreuung nicht teilen können, und Familien, die keinen Kitaplatz zum ersten Geburtstag finden. Familien in der Grundsicherung gehen leer aus, weil der Anrechnungsfreibetrag bei 300 Euro bleibt, während der Mindestbetrag auf 330 Euro steigt. Wer im Jahr vor der Geburt Angehörige gepflegt hat, bekommt dauerhaft weniger Elterngeld, weil Pflegezeiten bei der Berechnung nicht berücksichtigt werden. Und ein Mutterschutz für alle Selbstständigen fehlt weiterhin.
Die LUA fordert, das 4+6+4-Modell mit mindestens 65 Prozent in allen Monaten umzusetzen, die Mutterschutzmonate nicht auf die 80-Prozent-Phase anzurechnen und das Einsparvolumen vollständig im Elterngeld zu belassen. Ihre ausführliche Stellungnahme hat sie im Rahmen der Verbändebeteiligung beim Ministerium eingereicht.
Über die LUA
Die Liga für unbezahlte Arbeit e. V. – die carewerkschaft – vertritt die Interessen von Menschen, die unbezahlte Sorgearbeit leisten. Der gemeinnützige Verein wurde 2025 gegründet und hat über 1.000 Mitglieder. Mehr unter lua-carewerkschaft.de.



