Als unser Kind sich im Alter von fast 2 Jahren ein Bein gebrochen hat und dabei eine Tumorerkrankung im Bein festgestellt wurde, mussten wir alles ohne staatliche Hilfe machen. Ich war ca. 2 Wochen mit dem Kind im Krankenhaus. Unser damals sechsjähriges Geschwister-Kind musste von meinem Mann betreut werden, der aber zur Arbeit 30 km entfernt fahren musste (Home Office kannte vor Corona ja keiner). Also haben wir Freunden und Nachbarn um Hilfe gebeten, wann immer es ging. Das kleine Kind musste nach der OP monatelang einen Beckenbeingips tragen. D.h. die untere Hälfte des Kindes war komplett...
Eure Geschichten von Diskriminierung als Eltern, Pflegende, Fürsorgende
Sarah: Studieren mit Sorgeverantwortung ohne echte Unterstützung
Ich studiere im Master an der FH Münster. Es gibt zwar einen Nachteilsausgleich aber der Weg dorthin ist für vulnerable Gruppen absolut utopisch. Eine Entlastung für Studierende mit Sorgeverantwortung gibt es überhaupt nicht. Auf Nachfrage bekomme ich nur die Antwort "Ja, das könnte man mal überdenken". Aber es passiert nichts. Wie kann ich Druck machen?
Silke: 30 Jahre Pflege – was das wirklich kostet
Ich pflege seit 30 Jahren meine Mehrfachbehinderte Tochter. Ich habe erlebt, dass ich alles schaffen muss, auch 31 Jahre nachts aufstehen, keine neue Partnerschaft aufzubauen, weil es laut Psychologin behinderten Kindern schadet. Auf Alkohol komplett zu verzichten auch Sylvester, weil es meine Leistungsfähigkeit einschränkt, meine Fingernägel nicht ausreichend zu pflegen, 20 Jahre meine Haare selbst geschnitten, manchmal nur alle 14 Tage nur warm gegessen, weil das Essen nur für die Kinder reichte. Und wenn man sagt, man hätte gerne mehr Zeit oder sogar man will noch mehr Geld, dann kann es...
Tanja: Chronisch-krank, aber zu kompetent für Unterstützung
Hallo Care-Werkschaftler...Ich bin Tanja, Jahrgang 1980, Krisen-fest verheiratet, habe zwei Kinder, geboren 2008 und 2012 und wohne seit Sommer 2015 bei München.2010 wurde bei mir eine schwere, erbliche Darmkrebs-Erkrankung diagnostiziert, die trotz Medikamenten, Operation & Vorsorge-Untersuchungen 2015 zum Darm-Infarkt mit Darm-Verschluss führten. Daraus folgte eine lebensbedrohliche Infektion und eine monatelange Behandlung mit vielen Operationen, Infusionen, Untersuchungen und schmerzhaften Therapien bei verschiedenen Kliniken rund um München, Berlin & Bayrischer Wald.Nach 4...
Alexandra: Unverschuldete Ausfallhonorare
Ich musste schon öfter eine Therapie (Logo, Physio oder Osteopathie) für mich selber kurzfristig (unter 24 h) absagen, weil mir der Pflegedienst regelmäßig kurzfristig ausfällt, der eigentlich die Betreuung meines intenisv pflegebedürftigen Kindes übernimmt zu bestimmten Zeiten. Deshalb musste ich in Solchen Fällen eine Therapieausfall Gebühr bezahlen.
Corinna: Als Pflegeperson keine Krankenversicherung
Seit der Geburt meines Kindes (18. LM) habe ich es Vollzeit gepflegt (Pflegegrad 3). Da mein befristeter Arbeitsvertrag in der Zwischenzeit ausgelaufen ist und ebenso das Elterngeld, fehlte mir die Krankenversicherung. Da ich nicht verheiratet bin, teilte mir die Krankenkasse mit, dass ich mich selbstversichern müsse. Dies ist seit ein paar Monaten der Fall und teuer. Ich empfinde es als ungerecht, dass ich als (erwerbsarbeitslose) Pflegeperson nicht automatisch (gesetzlich) krankenversichert bin.
Ilga: Als Care-Arbeitende in Bittsteller-Position gezwungen
Als ich nach Kündigung meines Jobs mit der Absicht, das Abitur am Kolleg nachzuholen, feststellte unbeabsichtigt schwanger zu sein, begann für mich ein jahrelanger Albtraum an demütigenden Behördengängen, denn einen Job bekam ich so nicht mehr, aber die Sachbearbeiter:Innen waren angehalten, die Staatsgelder nicht so einfach rauszurücken - und so fühlte ich mich wie eine Bettlerin, die sich jedesmal von Neuem für den Antrag auf lebensnotwendigen Hilfen rechtfertigen musste, als würde die Person hinterm Schreibtisch meinen Unterhalt aus der eigenen Tasche bezahlen. Um mich und mein Kind...
Evi: Ehrenamt für die Zukunft der Kinder und Enkel
Dass meine zeitaufwändige aktivistische Tätigkeit für einen systemischen Wandel und die Aufrechterhaltung demokratischer Werte nicht nur ungeachtet und mein "Privatvergnügen" bleibt, sondern auch mit für mich hohen Geldstrafen belegt wird, sehe ich als meine Spende und Investition in den Erhalt einer lebenswerten Zukunft für nachfolgende Generationen und Geschenk an meine Kinder und Enkel.Die vielen Stunden, die ich damit verbringe, regionale Projekte wie die FoodCoop, Foodsharing, SoLaWi und Permakultur bekannt und stark werden zu lassen, gemeinschaftliche Strukturen zu bilden, Zugewanderte...
Bettina: Die Frauen tragen die ganze Last
Meine Mutter und ich hatten immer ein enges Verhältnis und so beschlossen wir ein paar Jahre nach meinem Studium einen Mehrgenerationen-Haushalt in einer 5-Zimmer-Wohnung zu gründen. Mein Mann war einverstanden, für meine Tochter war es großartig ihre Oma so nah zu haben und auch in das Lebensmodell meiner Mutter passte es gut: Sie war zwar seit 10 Jahren neu verheiratet, allerdings mit einem sehr unselbständigen Mann aus XXX mit Schlaganfall (Pflegegrad 2) und so es reichte ihr, sich regelmäßig zu sehen. Sie sortierte ihm wöchentlich die Pillen, begleitete zu Arztterminen, machte die...
Erika: Tarifänderung verhindert Frührente trotz Pflegezeiten
Ich habe zwei Kinder – eines davon mit einer Behinderung, das andere gesund. Ich bin seit vielen Jahren berufstätig, war mit dem Vater meiner Kinder verheiratet und später alleinerziehend. Wegen der besonderen Betreuungssituation wurden mir für mein behindertes Kind bis zu dessen 18. Lebensjahr Rentenpunkte angerechnet – allerdings nur, solange ich höchstens 30 Stunden pro Woche arbeitete. Dieser Ausgleich entfiel, als sich tarifliche Regelungen änderten und meine Arbeitszeit geringfügig über diese Grenze hinausging (30,75 Std. Woche)., obwohl mein Gehalt gleich blieb. Mein Alltag bestand...

